Ein Platz, der Hannah Arendts Namen trägt

 

Politisch engagiert, couragiert und klug - mit diesen Eigenschaften hat sich Hannah Arendt einen Platz in den Geschichtsbüchern erobert. An die in Linden geborene Journalistin, Professorin und Philosophin, der die Nationalsozialisten die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannten, erinnert die Stadt alljährlich mit den Hannah-Arendt-Tagen. Und ab jetzt mit einem Platz, der ihren Namen trägt - den am Landtag.

Nach drei Jahren ist die Diskussion um die Umbenennung des Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platzes in Hannah-Arendt-Platz beendet. „Das Bild von Kopf steht Kopf“, hatte im Januar 2012 eine hannoversche Zeitung getitelt und damit die Auseinandersetzung mit der Person Hinrich Wilhelm Kopf und seinem Agieren während der NS-Zeit bildreich beschrieben. Impulsgebend waren die Recherchen Teresa Nentwigs. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit beschäftige sich die Politologin mit dem Lebenslauf von Hinrich Wilhelm Kopf. Dabei brachte sie erschreckende Erkenntnisse über sein Wirken während der NS-Zeit in Polen zum Vorschein. Ihre Ergebnisse und das bereits vorliegende biografische Material wurden kontrovers diskutiert - auch im Ende 2013 eingerichteten „Beirat zur wissenschaftlichen Betrachtung von namensgebenden Persönlichkeiten“. Das Gremium hat die Aufgabe, sich mit den Biografien von namensgebenden Personen in der Landeshauptstadt Hannover zu befassen, die 1945 älter als 18 Jahre alt waren. Dabei wird insbesondere die aktive Mitwirkung im nationalsozialistischen Unrechtsstaat betrachtet. Begonnen wurde mit Hinrich Wilhelm Kopf, dem ersten Ministerpräsidenten Niedersachsens.

Die Beiratsmitglieder haben sich intensiv mit dem Material zur Biografie Hinrich Wilhelm Kopfs während des Nationalsozialismus auseinandergesetzt. Dabei blieben seine Verdienste während seiner späteren Amtszeit für das Land Niedersachsen unumstritten. Der Beirat kam jedoch zu dem Fazit, dass die heutige Datenlage als gesichert erscheinen lässt, dass Hinrich Wilhelm Kopf durch seine unternehmerischen Aktivitäten das nationalsozialistische Besatzungsregime, die antisemitische und antipolnische „Säuberung“ Oberschlesiens und die „Germanisierung“ des Gebietes, unterstützte.

Dem niedersächsischen Landtag hatte Kopf bewusst die Unwahrheit gesagt. Somit empfahl der Beirat im März 2014 die Umbenennung des Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platzes - wie später der zuständige Stadtbezirksrat Mitte. Den Platz gerade nach der Diskussion um seinen ersten Namensgeber nach Hannah Arendt zu benennen, ist sehr zu befürworten. Hannah Arendt hat sich durch ihr demokratisches und politisches Denken als Vorbild für vergangene, heutige und kommende Generationen hervorgetan. Die große Denkerin, die aus Nazi-Deutschland emigrieren musste und sich zeitlebens mit der politischen Philosophie befasste, ist unvergessen, ebenso ihr politischer  Standpunkt. Ich will da nur eines der ihr zugeschriebenen Zitate nennen:  "Was den Menschen zu einem politischen Wesen macht, ist seine Fähigkeit zu handeln; sie befähigt ihn, sich mit seinesgleichen zusammenzutun, gemeinsame Sache mit ihnen zu machen, sich Ziele zu setzen und Unternehmungen zuzuwenden, die ihm nie in den Sinn hätten kommen können, wäre ihm nicht diese Gabe zuteil geworden: etwas Neues zu beginnen."

Lassen auch Sie uns Neues beginnen, uns neue Ziele setzen. Angeregt beispielsweise durch die Hannah-Arendt-Tage, die am 16. April beginnen (http://hannah-arendt-hannover.de). Gemeinsam können wir Antworten auf eine wichtige Frage suchen: "Wem gehört die Stadt?" Sie sind willkommen!

 


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