Kolumne 22/2012 [11.06.12]: Begegnungen in Hannover

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Liebe Leserin, lieber Leser,

Menschen zu begegnen, mit ihnen über ihre Sorgen, Träume oder alltägliches Glück zu sprechen, ihnen zu helfen oder sie anzuspornen - das ist mit das Schönste an der Politik. Schöner jedenfalls als knochentrockene ermüdende immer wiederkehrende Debatten. Mehrere Male hatte ich in der vorigen Woche Gelegenheit zu sehr spannenden Treffen. Das mit den Beschäftigten der insolventen Firma "Schlecker" am Donnerstag und den Bürgerbrunch in Hannover am Samstag werde ich so schnell nicht vergessen.

Viele Mitarbeiterinnen der insolventen Drogeriekette hatten Tränen in den Augen. Manche aus Verletzung ihres Stolzes und aus Verzweifelung, andere aus Wut und Enttäuschung. Die richtet sich vor allem gegen die FDP und ihren Wirtschaftsminister Jörg Bode. Sie haben mit verhindert, dass eine Transfergesellschaft den 15.000 Schlecker-Beschäftigten (darunter 1.000 in Niedersachsen) neue Chancen gibt.

„Wenn Sie gehandelt hätten, müssten wir heute hier nicht stehen“, sagte ver.di-Einzelhandelsexperte Heiner Schilling auf einer Demo. Bode konterte kühl und verteidigte die Haltung der schwarz-gelben Landesregierung. Die meint, dass die Schlecker-Frauen auch ohne direkte staatliche Hilfe Chancen bei der Vermittlung durch die Bundesagentur für Arbeit (BA) hätten. Seine Worte des Trostes an die Schlecker-Frauen: „Es ist immer zu bedauern, dass Unternehmen in der Marktwirtschaft auch mal scheitern können.“

Mal abgesehen davon, dass es politisch falsch ist: Es ist mir unvorstellbar, wie sich ein solcher Wirtschaftsminister morgens im Spiegel noch ins Gesicht sehen kann. Wie er dabei zum Aftershave greift, das er vielleicht noch bei Schlecker gekauft hat...

Diese Frauen, gleichzeitig Opfer einer Politik der Kälte und falscher Familienführung eines Unternehmens, brauchen keine warmen Worte. Sie brauchen einen Sonderfonds, das meine ich und habe ihn gefordert. Die persönlichen und sozialen Härten für die Betroffenen und ihre Familien müssen abgemildert werden. Dieser Sonderfonds der Bundesagentur für Arbeit könnte zur Überbrückung zu einer Weiterbeschaftigung oder Qualifizierungsmaßnahme die Gehälter der Schlecker-Beschäftigten übernehmen. Dadurch wird zunächst der soziale Abstieg gestoppt.

Ich hoffe, aber bezweifele, dass die schwarz-gelbe Landesregierung meine Forderung aufgreift. Denn, frei nach Bertolt Brecht: 'Der Ministerpräsident und seine Riege stehen gern im Licht. Die im Dunkeln sehen sie nicht.' David McAllister präsentierte sich währenddessen dauerlächelnd bei einer Schottland-Bereisung. Sozialministerin Aygül Özkan ließ Mann und Sohn am Sonntag zum Bürgerbrunch nach Hannover kutschieren, um schon mal die Bürgernähe einer CDU-Landtagskandidatin zu zeigen.

Auch ich habe gefrühstückt beim Bürgerbrunch. Seite an Seite mit den Helferinnen und Helfern des Freiwilligenzentrums. Übrigens: Das riesige Freiluft-Picknick rund um die Marktkirche ist wirklich eine rundum gelungene Idee. Eine, die so zündet wie der Feuerwerkswettbewerb und das Public Viewing zur Fußball-EM. Eine, die Hannover bunt, schön, gesellig und manchmal auch ein Stück solidarischer und gerechter macht.

Falls Sie dazu Anregungen haben oder Fragen, wenden Sie sich gern an mich.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche!


Ihr

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