Kolumne 25/2012 [02.07.12]: Schützenfest in Hannover

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Liebe Leserin, lieber Leser,

"Großstadt im Grünen". Diesen Titel hat sich Hannover mit gut fünfzig Prozent Wald, Parks, Seen und anderen Naherholungsflächen schon vor Jahren erobert. Im bundesweiten Ranking vergleichbarer Metropolen liegt unsere Landeshauptstadt Niedersachsens damit ganz weit vorn. Gerade aber macht sie durch einen anderen Titel von sich reden. "Großstadt der Grünen". Ich meine die Grünröcke, die am Sonntag das Bild der Stadt durch den weltgrößten Ausmarsch bestimmt haben.

"Altes erhalten, Neues gestalten" ist ihre Devise. Auch im 483. Jahr des Schützenfestes waren die Neuerungen spürbar. Ich meine damit nicht, dass sich nach Jahren der Marschabstinenz mit Juniorprinz Ernst August von Hannover wieder ein Vertreter der Welfen an die Spitze des Trosses stellte. Ein sympathischer junger Mann, der Ministerpräsident David McAllister die Schau stahl. Nein, weitaus wichtiger fand ich einen Part, der öffentlich gar nicht die Beachtung fand, die ihm zugestanden hätte. Zum ersten Mal, und dank der Vermittlung durch Generalkonsul Tunca Özçuhadar, hat eine jugendliche türkische Tanzgruppe beim Ausmarsch mitgemacht. Sie haben damit die 40.000 Menschen mit türkischen Wurzel vertreten, die in Hannover leben. Ihr Beitrag zu diesem friedvollen und fröhlichen Volksfest ist gelungene und gelebte Integration! Komplimente dazu auch von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der am Nachmittag wie OB Stephan Weil, Alptekin Kirci und ich Ehrengast des türkischen Sommerfestes war.

Dort Kontakte zu gewinnen, zu halten und zu vertiefen, war mir umso wichtiger, als die schwarz-gelbe Landesregierung mit ihrer sogenannten Islamisten-Checkliste einen neuen Brandsatz in der Ausländerpolitik legt. Die Broschüre, die der Verfassungsschutz unter anderem an Lehrer und Jugendamtsmitarbeiter verteilen soll, listet auf, woran man erkennen kann, dass junge Muslime in den Extremismus abrutschen: Gewichtsverlust, lange Reisen oder Reichtum werden als Indizien für Extremismus aufgelistet. Innenminister Uwe Schünemann schürt so erneut Vorbehalte, Vorurteile und Misstrauen gegenüber muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Da ist nichts zu spüren von einer „Willkommenskultur“, wie sie Sozialministerin Aygül Özkan wortreich beschwört.

Nach den Ereignissen der vorigen Woche sind Behauptungen und Versicherungen der schwarz-gelben Landesregierung ohnehin mit Fragezeichen zu versehen. Hinhalten und Verschleiern ist ihre Taktik bei der Aufklärung aller Vorgänge um den Nord-Süd-Dialog, jener Promi-Party-Sause, die mit großem Aufwand aus der Staatskanzlei heraus mitorganisiert worden war. Eine Aufarbeitung durch den Landesrechnungshof entlarvt Lügen und Halbwahrheiten. Danke für diese Arbeit, die den Landtag vor und nach der Sommerpause noch reichlich beschäftigen wird.

Das Schützenfest gewährt Schwarz-Gelb keinen Aufschub bei der Aufklärungsarbeit. Mir aber trotzdem ein Stück weit Pause vom Parlamentsbetrieb und Chance, die Stadt neu zu entdecken, deren Oberbürgermeister ich Im September 2013 werden will. Gelegenheit dazu gab mir eine Segway-Tour, 24 Kilometer durch die Stadt und ihre grüne Lunge, angeführt von einem ehemaligen Bruchmeister. Das macht Spaß, die City aus ungewohnter Perspektive vom ungewöhnlichen Gefährt aus zu sehen.

Falls Sie dazu Anregungen haben oder Fragen, wenden Sie sich gern an mich.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche!


Ihr

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