Kolumne 30/2012 [06.08.12]:Eintauchen oder Abtauchen

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Liebe Leserin, lieber Leser,

eintauchen oder abtauchen? Diese Frage habe ich mir nach dem letzten Tag vor der parlamentarischen Sommerpause gestellt. Die Landtagsabgeordneten haben sich für neun Wochen aus dem Plenarsaal verabschiedet. Nicht, dass Sie jetzt denken: Was, die Politiker nehmen sich neun Wochen Urlaub?!

Ein halbes Jahr vor der Wahl heißt es, noch einmal Kraft zu schöpfen und den Kopf etwas frei zu bekommen. Also Urlaub. Wenigstens kurz. Viele Abgeordnete arbeiten danach verstärkt im Wahlkreis, etliche kandidieren ja auch erneut für den Landtag und bereiten ihren Wahlkampf mit ihren Teams vor.

Ich bin erst einmal eingetaucht. Habe sozusagen Urlaub in der Stadt gemacht, deren Oberbürgermeister ich im September 2013 werden will. Habe die Stimmung am Maschsee genossen, wo gerade das schönste Sommerfest Hannovers läuft. Habe nachgeholt, wozu bislang keine Zeit blieb – Kunst und Kultur. Endlich konnte ich die Ausstellung MADE IN GERMANY ZWEI besuchen. Werke von 44 Künstlerinnen und Künstlern werden in drei Häusern in Hannover ausgestellt, dem Sprengel Museum, der Kestnergesellschaft und dem Kunstverein (im Künstlerhaus). Bundesweit beachtet, in vielen überregionalen Zeitungen und parallel zur weltberühmten documenta in Kassel. Ich war sehr gespannt und dann beeindruckt. Selten habe ich eine Ausstellung gesehen, die mit so vielen Ausdrucksformen und Medien ge"spielt“ hat. Besonders erscheint mir, dass die Unterschiede zwischen Sein und Schein, zwischen Realität und Virtualität kaum noch zu erkennen sind. Dem Betrachter werden immer wieder Rätsel aufgegeben, ohne auf eine kurzatmige Pointe zu setzen. Ganze Geschichten spielen sich ab in räumlichen Aufbauten, Stillleben, Bühnen. Immer wieder stellen Künstler sich und ihr Werk als „Bild im Bild im Bild…“ dar, so dass nicht nur das Kunstwerk, sondern auch die Rolle des Schaffenden mit reflektiert wird.

Das gefällt mir. Es gibt mir den Impuls und weckt das Interesse, über die Bedingungen des Kunstprozesses nachzudenken und zu reden. Vor dem 19. August sehen Sie mich sicher erneut in unseren Museen, denn die Zeit hat nicht ausgereicht, alles mit Muße zu betrachten.

Doch jetzt nach kurzem und intensivem Eintauchen heißt es erst einmal Abtauchen. Für elf Tage mache ich Urlaub auf meiner Lieblingsinsel Norderney. Das Handy bleibt ausgeschaltet. Ich werde Spaziergänge am Strand, Lesen, Musik, gutes Essen genießen. Solch eine Auszeit kann den Blick schärfen. Nach nur elf Tagen, das ahne ich jetzt schon, werde ich mich unbändig wieder auf Hannover freuen.

Falls Sie dazu Anregungen haben oder Fragen, wenden Sie sich gern an mich.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche!


Ihr

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