Kolumne 20/2013 [20.05.2013]: Ab und zu muss man sich umstellen...

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Liebe Leserin, lieber Leser,

ab und zu muss man sich im Leben umstellen. Manchmal privat: Wer erinnert sich nicht an den Auszug aus dem Elternhaus und die erste Wohnung? Oder den ersten Arbeitsvertrag und den Start in den Job? Bei mir waren die erste eigene Wohnung und die erste „Berufstätigkeit“ mit dem Zivildienst ein solcher Einschnitt. Noch heute kann ich mich an das Gefühl erinnern. Fast ebenso so wie damals geht es mir jetzt wieder. Ich habe den Niedersächsischen Landtag als Abgeordneter und Fraktionsvorsitzender hinter mir gelassen und bin in einer Art „Bewerbungsverfahren“ um eine neue Tätigkeit.

Seit mehr als einem Jahr bewerbe ich mich bei Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern, in vielen Einzelvorstellungsgesprächen, um ihre Stimme für mich bei der Wahl des neuen Oberbürgermeisters. Im Grunde geht es darum, meine zukünftigen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber (und das sind alle Hannoveranerinnen und Hannoveraner) zu überzeugen und von ihnen angestellt oder eingestellt zu werden.

Vorstellungsgespräche habe ich für meine früheren beruflichen Tätigkeiten häufig gemacht. Einmal hat es mit der Zusage nicht geklappt, danach ist es immer gelungen. In diesen Vorstellungsrunden macht man viele Erfahrungen. Die Vorbereitung nimmt viel Zeit in Anspruch. Man muss sich mit sich selbst befassen und über seine Stärken und Schwächen nachdenken, sich seiner Fähigkeiten bewusst werden und sie präsentieren.

Aktuell mache ich gerade eine ganz neue Erfahrung mit Umstellungen: Mit einem virtuellen Bewerbungsbrief. So will ich Facebook mal nennen.

Seit 2008 dokumentiere ich im „Sozialen Netzwerk“ Facebook meine Erlebnisse und Erfahrungen. Fast wie in einem Tagebuch, aber mit Fotos und kurzen Kommentaren, stelle ich Themen und Ereignisse vor, die mich interessieren und von denen ich denke, sie könnten für andere interessant sein. Das war ein weiter Weg, den ich bewusst behutsam gegangen bin. Am Ende sollte ein Skript stehen, das zu mir passt. Schließlich dürfen nicht Lappalien herauskommen wie „Ich trinke gerade eine Tasse Kaffee“.

Eher sehr ausgewählt durch den Sucher einer Handykamera nehme ich auf, was mich fasziniert oder berührt, dann lade ich das Bild hoch und beschreibe knapp, was ich sehe und bemerkenswert finde. Das Foto auf Facebook und der kleine Kommentar sollen anderen ein Fenster öffnen, so dachte ich mir das. Facebook hat dann die normale Seite zu einer richtigen „Chronik“ weiterentwickelt, in der man Lebensstationen nachtragen kann. Diese Umstellung war noch einfach, keine Daten gingen verloren. Die Umstellung jetzt aber von einer „Chronik“ auf eine „Seite“ hat mich um so mehr beschäftigt. Alte Einträge meines „Tagesbuches“ von 2008 bis 2013 kann ich zwar auf meinem Computer sichern, aber nach der Umstellung tauchen sie nicht mehr automatisch auf der „Fan-Seite“ auf. Das war vielleicht ein komisches Gefühl!

Mir kam es spontan so vor, als sei meine Biografie gelöscht. So wie man es manchmal in Geheimdienstfilmen sieht, in denen einem Menschen nicht nur sein Pass, sondern sogar seine Identität genommen wird. Ich weiß, ich übertreibe etwas. Das merkwürdige Gefühl ist inzwischen wieder weg. Ich freue mich, dass die Umstellung gelungen ist. Einige ausgewählte Ereignisse, die für mich von Bedeutung sind, habe ich wieder mit dem richtigen Datum eingestellt, und nun kann es weiter gehen.

Ich besuche die Stadtteile, Vereine, Unternehmen und so manche Veranstaltung - und einiges werde ich auch in Zukunft dokumentieren. Zum Beispiel den „realen“ Zukunftskongress HANNOVER 2030 am 1. Juni von 10 bis 16 Uhr, zu dem ich Sie herzlich einlade. Ich freue mich auf Sie!

Ihr

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