Kolumne 24/2013 [17.06.2013]: Geschichte und Umbruch in Hannover - aber ohne "Morris"

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Liebe Leserin, lieber Leser,

Geburtstage zuhauf: Beim Blick in meinen Kalender bin ich mir ganz sicher, die meisten Kinder kommen im Mai und im Juni zur Welt. Offenbar ist das auch ein wichtiger Termin für bedeutende Gründungen und Einweihungen. Am vergangenen Wochenende standen Feiern für 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr in Kirchrode, 125 Jahre Turnverein in Kleefeld, 100 Jahre Gartenkolonie Fösseheim in Linden an... und... und... und..!

Bei solchen Terminen dreht Hannover noch mal voll auf, 100 Tage vor der Oberbürgermeister- und Bundestagswahl und vor den Sommerferien: mit Radsport, Kunst und Kultur, Stadtteil-, Kirchen- und Laubenfesten sowie den Jubiläen unserer vielen Vereine.

Am Sonntagvormittag habe ich eine kleine Tour mit Alt-OB Herbert Schmalstieg unternommen. Sie geriet zur lebendigen wandelnden Geschichte, brachte uns viele Begegnungen mit Zeitzeugen und Anekdoten aus mehr als 40 Jahren. Im Kleingartenverein Flora mit seiner Vorsitzenden Birgit Knoll kamen wir auf "wie es früher war" zu sprechen. Die Bedeutung ändert sich mit seinen Nutzerinnen und Nutzern. Doch die Gartenfreunde haben so feste Wurzeln, wie sie auch ihren Anpflanzungen zu wünschen sind. Dieses verwurzelt sein habe ich auch mittags in der Kirchengemeinde St. Franziskus erlebt. Die Kirche mit ihrer Gemeinde spielt eine große Rolle für den starken Zusammenhalt von Starken und Schwachen in Vahrenheide. Das ist über viele Jahrzehnte so geblieben, trotz aller Veränderungen.

Solche Veränderungen stehen bekanntlich auch im Neuen Rathaus an, das in dieser Woche 100 Jahre alt wird! Die Zeitungen sind voll von Rückblicken in die Geschichte und das Arbeiten und Leben in unserem Rathaus!

In weniger als 100 Tagen werden die Bürgerinnen und Bürger Hannovers entscheiden, wer künftig im Dienstzimmer des Oberbürgermeisters arbeiten wird, um das Beste für die Zukunft dieser Stadt zu erreichen. Aus dem bisherigen Trio von Kandidaten ist inzwischen ein Quartett geworden. Und zumindest für einen Teil des Quartetts, für mich, ist dieser Rückblick wichtig, aber noch wichtiger ist die Vorausschau: Ich denke an die Zukunft Hannovers, wie wir die Stadt für alle Generationen lebenswert und noch attraktiver machen können. Gute Bildungsmöglichkeiten für alle, ein Familienleben mit viel Unterstützung durch Betreuung und Pflege, gute Arbeit mit unserer Wirtschaft und unserer Wissenschaft, Hannover als inklusive Stadt, ob für Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen mit Behinderungen. Das ist mein Leitbild für die politische Zukunft.

Ich freue mich auf die Feierlichkeiten im und um das Neue Rathaus auf dem Trammplatz in dieser Woche. Vor allem freue ich mich darauf, ehemalige Mitarbeiter unserer Stadtverwaltung, frühere Ratsmitglieder und andere wieder zu treffen und viele neu kennen zu lernen. Denn das, dieser persönliche Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern, ist das Wichtigste im Wahlkampf, dessen heiße Phase am 8. August beginnen wird. Da ist es nicht entscheidend, wie viele Freunde man in sozialen Netzwerken wie “facebook” hat.

Obwohl: Auf einen Bürgermeister-Kandidaten schaue ich mit Respekt. Der hat, obwohl gerade erst angetreten, 1.800 Freunde, und es werden täglich mehr. Kann nicht sein, meinen Sie?

Doch: In der mexikanischen Stadt Xalapa wird die Bürgermeisterwahl zur Polit-Satire. Aktivisten haben eine Katze namens Morris zum Kandidaten gekürt.

Trotz aller Unterstützung aus dem Netz: In Hannover hätte Morris keine Chance. Hier würden Wählerinnen und Wähler durchschauen, wer bloßer Rattenfänger ist. Und sei er auch noch so charmant und fotogen wie Morris.

Ihr

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