Kolumne 28/2013 [15.07.2013]: Herzlich willkommen auf chinesisch

Schriftzugfarbe
Herzlich Willkommen

heißt auf chinesisch “herzlich willkommen”, liebe Leserin, lieber Leser!

Genauso habe ich mich gefühlt auf meiner kurzen Tour in ein mir unbekannten großes Land. Zwei Tage reisen, drei Städte in vier Tagen! Das wäre meine kurze Botschaft meines Ausflugs in das Reich der Mitte. Die Reise hat meinen Horizont geweitet.

Shanghai, die EXPO2010-Stadt, war meine erste Station. Es waren über dreißig Grad, gefühlt über vierzig, der heißeste Tag des Jahres. Alle Menschen mit Sonnenschirmen unterwegs. Ich unternehme eine Tour durch die Stadt zu Fuß und mit dem Taxi. Ein Museum zur Stadtentwicklung mit einem Stadtmodell erinnert mich an unsere Modelle im Neuen Rathaus. Dieses wird bei jeder Erweiterung der Stadt und bei jedem Bau eines neuen Hauses nachgearbeitet, es zeigt die Dimensionen dieser Mega-City mit über 20 Millionen Einwohnern. Oben in der ersten Etage die Entwicklung der Stadt vom Fischerhafen zu einer Metropole. Das erinnert mich an die Ausstellung Hannover 1900-1930, die im Historischen Museum zu sehen war. Das stärkt die Identität, macht die eigene Geschichte bewusst und ist interessant für alle Besucher und Hinzuziehenden.

Abends treffe ich eine Delegation des Büros für auswärtige Angelegenheiten der Stadt Suzhou. Die Teilnehmer haben sich die Zeit genommen, nach Shanghai zu reisen und mich kennen zu lernen. Ich spüre ihr Interesse am Austausch zwischen den Städten. Suzhou gilt wegen der vielen befahrbaren Kanäle als Venedig Chinas und dank der vielen berühmten Gärten (mit Welt-Erbe-Titeln der Unesco) wird häufig Hannover als Vergleich herangezogen. Meine Erzählungen und Fotos über die Herrenhäuser Gärten und die Eilenriede stoßen auf großes Interesse.

Am nächsten Tag in Hefei, der Hauptstadt der Region Anhui, begegne ich an der Hochschule Präsident Prof. Cai Jingmin, der in Niedersachsen ein Stipendium erhalten hatte. Die Universität wird gerade erheblich ausgebaut. Bildung ist auch in China als der wesentliche Schlüssel für die Zukunft erkannt worden. Noch deutlicher wird dies bei einem Zusammentreffen mit der Vize-Bürgermeisterin Frau Prof. Wu Chun Mei im Rathaus dieser Fünf-Millionen-Stadt. Sie setzt auf die intensive Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft, um in der wachsenden Metropole Perspektiven für alle Menschen zu erhalten und Nachhaltigkeit gleichzeitig sozial und ökologisch zu garantieren. Wie sich die Themen doch gleichen! Ich freue mich darauf, dass sie im Herbst Hannover besuchen will. Auch ihr habe ich die Herrenhäuser Gärten empfohlen, vor allem im Kontext der Geschichte von Leibniz und seiner China-Studien schon um 1796 herum!

Das Treffen mit dem Bildungsminister Prof. Cheng Yi der Region ist dann doch eine Überraschung. Er besteht auf einem Gespräch mit dem Chinesischen Zentrum Hannover/Shanghai und mir. Aus meinem Wunsch, dieses Land wenigstens ein paar Tage ansatzweise in seinen politischen, sozialen, landschaftlichen und städtebaulichen Dimensionen zu erfassen, wird ein Programm mit faszinierenden Gesprächspartnern, die mir in der Kürze der Zeit diesen Einblick ermöglicht haben.

Die Reise nach Peking bildet den spannenden Abschluss. Anstatt zu fliegen nahm ich wetterbedingt den Nachtzug! Nach zehn Stunden Fahrt und im buchstäblichen Sinne gerädert gehe ich morgens durch diese historisch und politisch weltbekannte Stadt. Mit Tausenden stehe ich auf dem Platz des himmlischen Friedens, vor allem als Tian'anmen-Platz bekannt. Dann besuche ich die „Verbotene Stadt“ mit ihrer Geschichte der Kaiser. Ein Weltkulturerbe!

Diese Dimensionen zeigen die Herausforderung, wenn wir darüber nachdenken, was wir in Hannover herausstellen und der Welt zeigen können. Wir sollten das mit Bewusstsein und Selbstbewusstsein anpacken! Sie sehen, Hannover und die Gedanken um seine Zukunft haben mich nicht losgelassen. Hannover ist eine Stadt, in der die Welt zu Hause ist, die aber auch genauso gut zu Gast in der Welt sein kann. Wir sind herzlich willkommen! Ich kann das jetzt bestätigen.

Ihr

001Schostok_Unterschrift