Kolumne 30/2013 [29.07.2013]: Erfolgreiche Frauen

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Liebe Leserin, lieber Leser,

Glückwunsch an elf starke Frauen. Den vergangenen Sonntag haben sie entscheidend mit bestimmt!.

Die Deutsche Frauennationalmannschaft hat zum achten Mal die Europameisterschaft gewonnen. Rechnet man hinzu, dass die Frauen in Endrunden erst seit 1989 und zu Weltmeisterschaften erst seit 1991 antreten, dann können wir mit Fug und Recht behaupten, dass es im deutschen Sport das zur Zeit erfolgreichste Team ist. Und was für ein Spiel, zwei Strafelfer gehalten von Nadine Angerer, ein Abseitstor. Puh!

Hannover bietet auch sehr erfolgreichen Frauenfußball, zum Beispiel beim HSC - ein kontinuierlicher Aufstieg, jetzt mit einem Team in der Landesliga. Schaut man genauer hin, sieht man den Unterschied zum Herrenfußball. Der Aufwand muss überwiegend selbst getragen werden, Förderung von außen läuft spärlich.

Für mich war es auch ein Sonntag der Frauen, weil Dr. Lore Henkel ihren 99. Geburtstag feierte. Sie hatte für den ersten frei gewählten Rat der Stadt Hannover kandidiert und war von 1948 bis 1972 Ratsfrau der SPD. Sie engagiert sich bis heute. Mit großem Interesse verfolgt sie die Kommunalpolitik in Hannover. Ein Schwerpunkt ist die Entwicklungshilfe und -zusammenarbeit mit Afrika, und dies seit 1962. Insbesondere für die Partnerschaft mit Malawi und Blantyre interessiert sie sich.

Sie war, wie der SPIEGEL 1971 in einem Artikel berichtete, bei der damaligen Preussag AG in Hannover eine Aufsichtsrätin unter 20 Aufsichtsrats-Herren. Damals als 56-jährige promovierte Volkswirtin und SPD-Vertreterin im hannoverschen Rat. Der Artikel war ein mehrteiliger Report, über sozial benachteiligte Gruppen, hier die Arbeitnehmerinnen. Das ist heute über 40 Jahre her. In entscheidenden Machtpositionen hat sich bis heute nur wenig geändert. Frauenförderprogramme haben einiges bewirkt. Eine Quote aber gibt es für diese einflussreichen Positionen bis heute nicht.

Mehr Frauenförderung – das ist ein Ziel der Stadt. Noch vier Wochen lang sind Bewerbungen möglich für den Wettbewerb "Frauen in Männerdomänen". Der „Stadt-Hannover-Preis – Frauen machen Standort“ wird in diesem Jahr zum zwölften Mal vergeben. Teilnehmen können Unternehmen, die Frauen in herausragender Position beschäftigen, sowie Unternehmerinnen, die sich in einem männerdominierten Bereich behaupten. Bewerbungsschluss ist der 20. August 2013.

Auf dem jährlichen Wirtschaftsempfang im Spätherbst wird er von dem oder der neu gewählten Oberbürgermeister oder der Oberbürgermeisterin übergeben. Wobei Letzteres ziemlich unwahrscheinlich ist. Maren Kaminski, die an diesem Mittwoch von der Linken zur OB-Kandidatin nominiert werden soll, rechnet sich selbst nur “drei bis fünf Prozent Zustimmung” aus. Was soll’s? Frauenförderung in Hannover, das zeigt die Erfahrung, kann auch mit einem Mann an der Verwaltungsspitze engagiert angepackt werden. Für mich ist es ein sehr, sehr wichtiges Anliegen. Denn wie der gestrige Erfolg unserer Frauen-Elf gezeigt hat, stimmt dieser Spruch des sonst geschätzten Kabarettisten Dieter Nuhr einfach nicht. Der behauptet: “Männer haben 100 Gramm mehr Gehirn als Frauen – da ist unter anderem die Abseitsregel drin.”

Ihr

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