Kolumne 35/2013 [02.09.2013]: Duelle und Talks

Schriftzugfarbe

Liebe Leserin, lieber Leser,

haben Sie auch das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Peer Steinbrück gesehen? Laut der ersten Infratest dimap-Umfrage konnte Merkel ihre guten Werte annähernd behaupten. Aber dann änderte sich das Bild. Steinbrück holte auf – vor allem bei den Sympathiepunkten. Dass das so sein würde, hätte der Kanzlerin und ihrem Wahlkampftross schon ein Blick ins “Neuland” bewiesen. Mehr als 100.000 Menschen kommentierten den Schlagabtausch im Internet beim Nachrichtendienst twitter. Die meisten sahen Steinbrück vorn.

Auch aus meiner Sicht hat das Duell mit einem klaren Punktsieg von Peer Steinbrück geendet, um in der Sportsprache zu bleiben. Das Bild, das bisher in den Medien von ihm gezeichnet wurde, wird so nicht mehr weiter existieren können. Ich will die ganzen Urteile und Vorurteile nicht wiederholen – darauf an diesem Abend angesprochen hat er mit Humor und schlagfertig reagiert. Die Sendung hat alle Themen natürlich nur angerissen, aber sie hat beiden die Möglichkeit gegeben, auf politische Probleme einzugehen und Sensibilität und Verständnis zu zeigen. Vor allem auch Wege und alternative Vorstellungen zur Lösung aufzuzeigen. Da sind die Konturen zwischen beiden besonders deutlich geworden. Mehr soziale Gerechtigkeit? Da ist offenbar bei Merkel nichts zu holen!

Die Bundeskanzlerin hat überwiegend ihre Wirtschafts- und Marktvorstellungen beschrieben. Sie blieb als Regierungschefin unpräzise und wich oft aus. Auf konkrete Fragen nach Problemen in der Energiewende, der Europapolitik, der Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik reagierte sie mit einfachen Erfolgsbotschaften oder benannte die Themen als offene Herausforderungen, bei denen man "auf einem guten Weg sei".

Peer Steinbrück hat sicher viele überrascht, er hat überwiegend präzise geantwortet. Vor allem immer wieder die soziale Verantwortung von Politik beschrieben. Das gilt für das Thema gute Arbeit, für die ausreichende Löhne und ein Mindestlohn erforderlich seien, um den Niedriglohnsektor und missbräuchlich verwendete Leiharbeit auszutrocknen. Da war er sehr konkret. Das gilt auch für die Renten, für die die SPD den Mut hatte, von früheren Vorstellungen teilweise abzuweichen und Fehlentwicklungen zu korrigieren. Vor allem hat die SPD ein Konzept beschlossen, das hat die Regierung nicht mal. Dass Steinbrück sozial verantwortlich denkt, zeigen seine Vorstellungen für die Absicherung von Pflege in der Gesundheitspolitik. Seine als Finanzminister erwiesene Kompetenz blitzte auch in der Europapolitik auf. Ein zugegebenermaßen schwieriges Thema in der Kürze.

Die Themen konnten natürlich nur angerissen werden. Ich bin gespannt darauf, was bestimmend sein wird und wie der Wahlkampf sich weiter entwickelt. Mit dem Ende der Sommerferien - nun auch in dem bevölkerungsstarken Nordrhein-Westfalen, stecken wir in der kurzen dreiwöchigen heißen Phase.

Auch im Wahlkampf um das Amt des Oberbürgermeisters geht es in die Schlussphase. Duelle und Talks gehören da zum Alltag. Über 20 werden es am Ende sein. Viele Gruppen und Institutionen haben neben den Zeitungen und lokalen Radio- und Fernsehsendern eingeladen. Die Themen kristallisieren sich mit Bildung, Wohnen, Wirtschaft und Infrastruktur deutlich heraus. Sie sind schon lange in der Kommunalpolitik bestimmend. Wichtig ist aber auch die Gesprächskultur in Hannover, denn die unmittelbare Nähe zu den betroffenen Menschen in Unternehmen, Vereinen und Institutionen macht den Unterschied aus. Deshalb werde ich trotz der vielen Begegnungen mit Mitbewerberin und Mitbewerbern an Stehtischen und vor Mikrofonen weiter überwiegend auf den direkten Kontakt zu den Hannoveranerinnen und Hannoveranern setzen. Wie am vergangenen Wochenende bei Stadtteil-Jubiläen und Sommerfesten, Sportveranstaltungen und auf Märkten. So direkt wie möglich! Ich freue mich auf die Begegnung mit Ihnen! Laden Sie mich gern ein!

Ihr

001Schostok_Unterschrift