Gemeinsam für den Frieden eintreten

 

Zurück aus Hamamatsu und Hiroshima: Sechs Tage in Japan haben mich tief beeindruckt. Unsere Städtepartnerschaft mit Hiroshima hat Hannover in den vergangenen 32 Jahren – wie Hiroshima selbst es ist – zu einer Stadt des Friedens gemacht.

Die Partnerschaft entstand in den Zeiten der Friedensbewegung. 1983 wurde sie offiziell. Dem vorausgegangen war allerdings ein Jugendaustausch seit 1968. Der Ausgangspunkt war eine kleine japanische Delegation, die Hannover besuchte. Der Leiter dieser Delegation, Toshihiko Hayashi, erzählte später, was ihn bewegt hatte: "Es war im Sommer 1968, als ich zum ersten Mal die Stadt Hannover besuchte; ich war sofort von ihr begeistert. Als ich jedoch zu meinem Erstaunen hörte, dass diese Stadt im 2. Weltkrieg zu 90 Prozent zerstört worden war, dachte ich sofort an Hiroshima. Wenn sich zwischen Hiroshima, der Stadt mit den vielen Flüssen, und Hannover, der Stadt im Grünen, zwei Städte mit einer ähnlichen Bevölkerungsstruktur und einer gleichen Kriegserfahrung, ein Austausch entwickeln könnte, wäre dies ein gutes Beispiel für den Frieden. Aus diesem Grund fasste ich den Entschluss, mich für die Annäherung zwischen den Menschen in beiden Städten einzusetzen."

Mittlerweile haben sicher mehr als 1.800 Kinder den Austausch zwischen den Städten erlebt, viele Kontakte und Beziehungen haben sich in den Jahrzehnten ergeben, das Interesse an Japan und Deutschland ist gegenseitig gestiegen. Einige der hannoverschen Austauschschüler haben später sogar japanisch studiert oder sich mit dem Land beruflich befasst.

Bei unserem Besuch in Hamamatsu, der japanischen UNESCO City of Music, ging es Kulturdezernentin Drevermann und mir um die Zusammenarbeit und Vernetzung unserer Musikstädte. Und das ist gelungen. Mit der Kulturstiftung Hamamatsu haben wir uns auf den Aufbau einer gemeinsamen Internetplattform mit den anderen Cities of Music verständigt Erfreulich war der Austausch über unsere Wettbewerbe für Violine in Hannover und für Klavier in Hamamatsu. Erste Ideen haben wir bei Besuchen der Musikindustrie (die Firmen Yamaha, Roland und Kawai sind in Hamamatsu ansässig) für eine Zusammenarbeit in musikwirtschaftlichen Fragen verabredet. Ein musikwirtschaftliches und -wissenschaftliches Symposium könnte das Ziel sein.  

Meine erste Reise nach Japan fand hauptsächlich aus Anlass des 70. Jahrestages des Atombombenabwurfs auf Hiroshima statt. Es ist wichtig, die Erinnerung an 6. August 1945 wachzuhalten. Meine Gespräche mit Überlebenden und Hinterbliebenen haben mich genauso beeindruckt wie der Besuch des Museums für Frieden und Erinnerung in Hiroshima. An diesem 6.8.2015 war es Anziehungspunkt für tausende von Besuchern, trotz Hitze und dichten Gedränges. Obwohl ich mich jahrelang mit diesem Ereignis beschäftigte, hat es mir die Luft abgeschnürt, als ich die alten Fotos der Stadt Hiroshima und dem Leben in der Stadt vor dem Abwurf der Atombombe sah und dann die Darstellung der wenigen Sekunden, die die Welt und das Leben veränderten. In der Ausstellung sind Gebäudeteile, Wände, Möbel und andere Gegenstände ausgestellt, mit den Spuren, die die Explosion, die Hitzewelle, die Druckwelle hinterließen. Fotos von den Menschen in den Straßen, mit ihren Verbrennungen, die sie in den drei Sekunden erlitten, der radioaktive Regen, die schwarze Asche überall.

Mit diesen tiefen Eindrücken nahm ich am Nachmittag in einer Zeremonie im Rathaus die Ehrenbürgerwürde aus der Hand des Bürgermeisters Kazumi Matsui entgegen. In meiner Rede vor den Vertretern der Stadt und Ratsmitgliedern habe ich mich verpflichtet, die Partnerschaft mit Engagement für den Frieden und den Austausch der Kulturen zu füllen.

Die 12.000 Kilometer Entfernung haben sich relativiert. Wir sind uns nahe gekommen. Wir denken aneinander und wachsen zusammen in der Verpflichtung, für Frieden einzutreten und für die Ächtung aller Atomwaffen. Für mich ist das jetzt, mit den Erfahrungen dieser Reise, eine umso wichtigere Aufgabe.

 


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