Ein Signal für das Zusammenstehen

 

Der Begriff Volkstrauertag hat seit Samstag eine neue Bedeutung. Nicht nur ein Volk hat getrauert wegen des Terrors in Paris. Wir fühlen mit den Franzosen, mit den Familien der Opfer und den Verletzten. Nur langsam dringt die Tragweite der Anschläge während der Übertragung des Freundschaftsspiels Frankreich gegen Deutschland durch. Das ganze Ausmaß wird vielen erst in der Nacht, manchen erst am frühen Morgen, klar.

Mich beeindruckt, dass alle, die für Samstag oder die kommenden Tagen Veranstaltungen planten, innegehalten und überlegt haben, wie es nach diesem schrecklichen Ereignis weitergehen kann. Niemand will einfach zur Tagesordnung übergehen, niemand hat den Eindruck, dass Paris nichts mit Hannover zu tun hätte.

Die Karnevalisten Hannovers haben sich sich noch in der Nacht gemeldet und gemeinsam darüber beraten, wie sie angemessen reagieren können. Jeder sieht seine Verantwortung. Niemand kann sich vorstellen, an einem solchen Tag unbeschwert zum Feiern einzuladen, aber Absagen wird für das falsche Signal gehalten, alleine mit seiner Trauer soll auch niemand gelassen werden. So findet im Rathaus die Krönung der Karnevalsprinzessin und des Prinzen, die Schlüsselübergabe des Oberbürgermeisters nicht mit der traditionellen "Stürmung und Eroberung" des Rathauses statt. Eine würdevolle Zeremonie ohne Musik, ohne Tanz, mit stillem Helau und Gedenkminuten – so hat man den Auftakt noch nicht erlebt.

Den ganzen Tag über ist es sehr still in Hannover, abends findet eine Gedenkstunde der französisch-deutschen Community am Rande des Opernplatzes statt. Kerzenschein, Einträge in ein Kondolenzbuch, Gespräche. Feiern der Karnevalsvereine Lindener Narren und des Komitee hannoverscher Karneval werden nicht abgesagt, aber alle sind in Gedanken an die Opfer, die Angehörigen und an die Freundinnen und Freunde in Paris.

Ein multireligiöses Gedenkgebet in der Marktkirche mit über 500 Teilnehmern knüpft an die Friedensgebete zu Beginn des Jahres an. Alle Religionen machen deutlich, jetzt erst recht am Dialog festzuhalten. Der Terror der IS findet keine Rechtfertigung in der Religion.

Eine Entscheidung über das Freundschaftsspiel am Dienstag ist auch gefallen. Mein Respekt für das Team der Nationalmannschaft und den DFB, dass sie trotz der eigenen Betroffenheit durch die Anschläge in Paris vor nur zwei Tagen nun in Freundschaft gegen die Niederlande spielen werden. Hannover will mit dem Spiel ein klares Signal geben, dass wir durch Terror nicht unsere Freiheit, unser Zusammenleben und die Solidarität beeinträchtigen lassen werden.

Ich bin mir sicher, dass dieses Ereignis uns noch lange beschäftigen wird.

 


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